Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.75
Datum: Montag, den 31. März 2008
Seite: Nr.11
29. März 2008 / *
<http://www.wz-newsline.de/?redid=203988>
*DÜSSELDORF AKTUELL*
*Obdachlose: Streit zwischen OSD und fiftyfifty
eskaliert*
Ordnungsdezernent
Leonhardt nimmt Stellung zu den Vorwürfen des
Magazins -- und
erhebt seinerseits welche.
*Düsseldorf. *Der Konflikt zwischen dem Obdachlosenmagazin
"fiftyfifty"
und dem Ordnungs- und Servicedienst OSD spitzt sich weiter
zu.
Wie die WZ berichtete, hatte Streetworker Oliver Ongaro ("Axept") in der
gestern erschienenen Ausgabe der Straßenzeitung den OSD
heftig
attackiert und ihm die systematische Vertreibung von
Obdachlosen aus der
Innenstadt vorgeworfen.
Gestern reagierte der für den OSD zuständige
Ordnungsdezernent Werner
Leonhardt auf Anfrage der WZ auf diese Vorwürfe -- aber lediglich
schriftlich. Nachfragen waren unerwünscht.
In seiner Stellungnahme weist Leonhardt die Vorwürfe zurück.
"Die von
fiftyfifty dargestellte Version
der Arbeitsweise des OSD entbehrt
jeglicher Grundlage", heißt es dort.
Weiter werden Hubert Ostendorf, dem Herausgeber der Zeitung,
und Ongaro
gezielte Fehlinformationen vorgeworfen. Allerdings folgen
diesem Vorwurf
keine konkreten Beispiele, sondern lediglich die Sichtweise
von Leonhardt.
So schreibt er, dass in Düsseldorf niemand obdachlos sein
müsse (auf
Vorwürfe des Magazins, dass im Hofgarten schlafende
Obdachlose von
OSD-Mitarbeitern drangsaliert
worden sein sollen) oder dass der
Beikonsum bei Teilnahme am
Methadon-Programm verboten sei (auf die
Behauptung im fiftyfifty-Artikel,
dass in der Nähe der Methadon-Ambulanz
offensichtlich Ex-Drogensüchtige mit einem Bußgeld belegt
wurden, weil
sie an der Rheinbahn-Haltestelle Bier tranken). Dazu kommen
Vorwürfe wie
der, dass viele "fiftyfifty"-Verkäufer
vor allem Senioren aggressiv
angehen würden.
Hubert Ostendorf seinerseits schlägt zurück, nennt die Stadt
wortbrüchig. "Wir haben vor gut einem Jahr mit dem
damaligen
kommissarischen Leiter des Ordnungsamtes und dem Leiter des
Sozialamtes
zusammengesessen. Dort wurde uns
vor Zeugen versichert, den Umgang des
OSD mit den Obdachlosen zu ändern. Das hat auch
funktioniert, bis OB
Erwin dann Frau Süring
rechtswidrig als Ordnungsamtsleiterin installiert
hat. Der Job muss ja jetzt wegen Verfahrensfehlern neu
ausgeschrieben
werden."
Er habe sehr lange den Dialog mit der Stadt gesucht, am Ende
vergebens.
Deshalb jetzt der Schritt an die Öffentlichkeit.
29.03.2008
Von Marc Herriger wz"Diese Hetzerei muss aufhören!"
Düsseldorf
<http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/duesseldorf.html>,
28.03.2008
, 1 Kommentar
<http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/duesseldorf/2008/3/28/news-33719653/detail.html#comments>
SOZIALES. Ordnungsdezernent kritisiert "fiftyfifty": Autor schade durch
Polemik den Obdachlosen in der Altstadt.
ALTSTADT. Den Affront lässt der Dezernent nicht
unbeantwortet. Seit
gestern wird der für den Ordnungs- und Servicedienst (OSD)
zuständige
Werner Leonhardt im Straßenmagazin "fiftyfifty"
öffentlich angegriffen,
er ließe Obdachlose in einem Ausmaß aus der Altstadt
vertreiben, was
(wie berichtet) ein "Affront gegen das christliche
Menschenbild" sei.
Die Darstellung entbehrt laut Leonhardt "jeglicher
Grundlage. Der
verantwortliche Autor dieser Zeitschrift schadet den Hilfe suchenden
Menschen auf der Straße, in dem er sie durch gezielte
Fehlinformation
gegen die OSD-Mitarbeiter
aufbringt, anstatt Konflikte zu lösen." Er
zielt damit auf den Beitrag von Streetworker Oliver Ongaro.
Zur NRZsagte der Dezernent, er wolle
vorerst auf juristische
Konsequenzen verzichten: "Es ist jetzt schon
problematisch genug." Er
hoffe, dass sein Dementi beim Chef von "fiftyfifty", Hubert Ostendorff,
ankomme: "Diese Hetzerei muss aufhören. Wenn nicht,
muss ernsthaft über
rechtliche Schritte nachgedacht werden."
OSD-Chef Stadtmitte mit spezieller
Ausbildung
Leonhardt betonte, man habe beim OSD Stadtmitte eigens einen
Diplom-Sozialarbeiter als Chef eingesetzt, damit im Umgang
mit den
Obdachlosen besonderes Fingerspitzengefühl bewiesen werde.
"Die
Einsatzkonzeption sieht keine Vertreibung oder Verdrängung
vor." Es gebe
inzwischen eine Vielzahl von "fiftyfifty"-Verkäufern,
die meisten
verhielten sich korrekt. Allerdings seien darunter "schwarze
Schafe",
die älteren Menschen "entschieden zu nahe" träten,
oft stark
alkoholisiert seien und die Leute anrempelten.
Im Hintergrund schwelt seit langem die Auseinandersetzung um
die
Straßensatzung. Die Fürsprecher der Obdachlosen wollen -
weil sie unter
anderem ordnungsbehördliches
Vorgehen gegen diffus formuliertes
"aggressives Betteln" möglich macht - kippen. Das
Ordnungsdezernat aber
will, wie berichtet, den Begriff der Störung konkreter
fassen. Und:
Derzeit steht zur Debatte, die
beiden Altstadt-Streetworker des Vereins
"aXept" nicht mehr zu
finanzieren. Auch zwischen ihnen und dem OSD
knirscht es häufig. (aly)
Stadt kritisiert
"fifty-fifty"
VON ANANDA MILZ
In der soeben
erschienenen April-Ausgabe der Straßenzeitung
"fifty -fifty" erheben diverse Autoren Vorwürfe gegen den
Ordnungs- und
Servicedienst (OSD). So bezeichnet Bruder Matthäus
von den
Franziskanern die Vorgehensweise des OSD gegen
Obdachlose in
der Stadt als "Vertreibung" und als "behördlich
verordnete
Intoleranz". Streetworker Oliver Ongano führt in
seiner
Titelgeschichte Beispiele an, in denen Obdachlose und
"fifty-fifty"-Verkäufer willkürlich mit Bußgeldern
belangt werden.
Diese Vorwürfe
weist der Dezernent des Ordnungsamtes, Werner
Leonhardt
(CDU), jetzt zurück: "Die Darstellung der Arbeitsweise
des OSD
entbehrt jeglicher Grundlage", betont er. Nicht
Vertreibung oder
Verdrängung sei Ziel des OSD, sondern das
Vermitteln
zwischen Randgruppen und Hilfsangeboten der Stadt.
Der Dezernent
geht noch weiter und kritisiert den Autor der
Titelgeschichte: "Er schadet den Hilfesuchenden auf der Straße,
indem er sie
durch Fehlinformationen gegen unsere Mitarbeiter
aufbringt,
statt Konflikte zu lösen."
Dass es
Konflikte auf den Straßen Düsseldorfs gibt und dass
diese
angegangen werden müssen, darüber sind sich auch die
ordnungspolitischen Sprecher der
Fraktionen einig. Rolf-Jürgen
Bräer (SPD) bezieht beim aktuellen Disput allerdings eine
Mittelposition. Einerseits schließe er Einzelfälle nicht aus, in
denen der OSD
vielleicht zu hart durchgreife, andererseits habe
er Verständnis
für die Mitarbeiter: "Das Klientel, mit dem die
zu tun haben,
ist eben auch nicht einfach." Ein runder Tisch für
alle
Betroffenen ist daher sein Vorschlag. "In
Verbindung mit
einer Hotline,
bei der sich OSD und Streetworker unmittelbar
nach solchen
Vorfällen austauschen können", sagt er.
Distanzierter
gegenüber dem OSD sind hingegen Norbert Czerwinski
(Grüne) und
Manfred Neuenhaus (FDP). Hartes Durchgreifen löse
keine
Probleme, sagt Czerwinski und plädiert deshalb für
ein
Entschärfen
der Straßensatzung. Mehr Verständnis für Obdachlose
bei den OSD-Kräften fordert Neuenhaus.
- /ANANDA
MILZ
Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.74
Datum: Samstag, den 29. März 2008
Seite: Nr.12
*"Behördlich verordnete Intoleranz"*
Düsseldorf
<http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/duesseldorf.html>,
27.03.2008, JO ACHIM GESCHKE
, 0 Kommentare
<http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/duesseldorf/2008/3/27/news-33485061/detail.html#comments>
OBDACHLOSE II. Franziskaner und "fiftyfifty"
prangern massiv das
Vorgehen des Ordnungsdienstes an. Immer mehr Bußgelder.
Mit einer harschen Kritik am städtischen Ordnungs- und
Servicedienst
(OSD) erscheint heute das neue Heft des Straßenmagazins
"fiftyfifty".
Obdachlose würden, so beschreiben es Betroffene und
Sozialarbeiter,
immer wieder vom OSD aus der Altstadt herausgedrängt.
"Das Ausmaß der Vertreibung in Düsseldorf ist ein
Affront gegen das
christliche Menschenbild", schreibt Bruder Matthäus im
Vorwort der
April-Ausgabe, und: "Ich bin empört über so viel
behördlich verordnete
Intoleranz".
Obdachlosen, die im Regen in einem Wartehäuschen der
Rheinbahn Schutz
suchten, bekamen vom OSD ein Bußgeld von 35 Euro, obwohl sie
eine
Fahrkarte besaßen, klagt der Franziskaner-Mönch Matthäus,
einer der
Gründer und Motoren von "fiftyfifty".
"Es ist empörend, wenn fiftyfifty-Verkäufer
mit Ausweis und
Monatstickets Bußgelder aufgebrummt bekommen", sagt
auch Hubert
Ostendorff, Chef des Magazins.
"Uns geht es nicht darum, Pöbeleien zu
rechtfertigen", stellt er klar, "aber es werden
generell immer mehr arme
Menschen und solche, die auf der Straße leben, mit
Bußgeldern belegt,
die sie übrigens gar nicht zahlen können." Zur
Begründung diene die
Straßensatzung der Stadt.
Es gab aber allein in den Wochen vor Ostern drei
Verhandlungen wegen der
Bußgelder vor dem Amtsgericht, weil die Obdachlosen mit
"fiftyfifty"-Hilfe
Widerspruch eingelegt hatten, so Ostendorff. Und wie
in vielen Fällen zuvor, seien alle Verfahren eingestellt
worden. Weil
die Begründung des OSD nicht ausgereicht habe.
Der OSD wollte sich gestern nicht zu den Vorwürfen äußern.
Ordnungsdezernent Werner Leonhardt werde erst heute, nach
der Lektüre
der Zeitung, dazu Stellung nehmen, sagte Referent Bernd
Thomas.
Er bestätigte allerdings indirekt, dass die Stadt die
Widersprüche vor
Gericht verloren habe: "Die Richter haben wohl
festgestellt, dass die
Vorwürfe der Störung konkretisiert werden müssen, aber die
Straßenordnung nicht generell in Frage gestellt. Das
Ordnungsamt wird
jetzt untersuchen, wie der Begriff Störungen konkreter
gefasst werden
kann."
Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.72
Datum: Donnerstag, den 27. März 2008
Seite: Nr.10
Liebe Leserinnen und Leser,
am Freitag erscheint die
April-Ausgabe von fiftyfifty, in der die zunehmende
Vertreibung von Obdachlosen in Düsseldorf angeprangert wird. Im Vorwort
schreibt Düsseldorfs Friedenspreisträger Bruder Matthäus Werner von der
Ordensgemeinschaft der Armen-Brüder des Heiligen Franziskus: "Das Ausmaß
der Vertreibung ist ein Affront gegen das christliche Menschenbild. Ich bin
empört über soviel behördlich verordnete Intoleranz. Wenn wir den Frieden in
unserer von extremem Reichtum und extremer Armut geprägten Stadt nicht völlig
zerstören wollen, müssen wir aufhören, Menschen mit sozialen Schwierigkeiten
ungerecht und verachtend zu behandeln."
In der Titelgeschichte zieht
unser Streetworker Oliver Ongaro eine kritische
Bilanz von 10 Jahren Ordnungs- und Service-Dienst (OSD), den Betroffene auch
"Obdachlosen-Schikanier-Dienst" nennen. Oliver Ongaro
schildert etwa aus seiner Erfahrung, wie Obdachlose, die unter
Rheinbahnhäuschen vor der Witterung Schutz suchen, mit 35 Euro Bußgeld belegt
werden. Oder dass fiftyfifty-Verkäufer, die sich in
einer Gruppe in der Altstadt aufhalten, wegen "Lagerns" zur Kasse
gebeten werden. Ein krasser Fall ist der von fiftyfifty-Verkäufer
Michael, der "wegen Kartenspielens" auf der Straße 58 Euro zahlen
soll.
fiftyfifty-Redakteur Hubert Ostendorf schließlich geißelt in einem
Kommentar den Versuch der Stadt, die kritische Streetworkeinrichtung
"aXept" mundtot zu machen, indem
vorgeschlagen wird, ab 2009 die kommunalen Mittel komplett zu streichen.
Ostendorf wörtlich: "Da wir eng mit 'aXept'
kooperieren, soll der Versuch, diese Einrichtung in Trägerschaft der Armenküche
zu schließen, wohl auch unsere Zeitung 'fiftyfifty'
treffen, die OB Joachim Erwin öffentlich gerne als 'Kampfblatt' diffamiert. ...
Umso wichtiger, dass die Vernichtung von 'aXept'
nicht gelingen wird. Spätestens bei der Kommunalwahl
im nächsten Jahr werden die Karten neu gemischt. Und bis dahin werden wir 'aXept' zur Not mit Spenden am Leben erhalten."
Ostendorf zweifelt nicht daran, dass die dafür notwendigen Mittel zusammenkommen
würden.
Wir freuen uns, wenn Sie die
neue fiftyfifty bei Ihren Verkäuferinnen und
Verkäufern auf der Straße erwerben. Alle, die keine Gelegenheit dazu haben,
können die neue Ausgabe gerne per email bestellen.
Wir schicken das Heft ohne Rechnung zu, freuen uns aber über eine Spende.
Herzlichst, Ihr
Team fiftyfifty
Straßenmagazin, Galerie,
Projekt "Underdog"
Jägerstr. 15
D-40231 Düsseldorf
(0)211/9216284
0171/7265165
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