NRW: Konstant viele Straftaten, aber immer weniger abgeurteilte Straftäter

25. Mai 2016 | 08.20 Uhr

NRW-Kriminalstatistik

 

Weniger Verurteilungen, weniger Haftstrafen

 

 

 

Blick aus einer Zelle der JVA in Wuppertal. Im Jahr 2014 wurden in NRW weniger Straftäter verurteilt als zehn Jahre zuvor.
FOTO: dpa, obe;Fdt

 1,5 Millionen Straftaten gab es in Nordrhein-Westfalen 2014, doch nur
206.000 Täter wurden vor Gericht abgeurteilt. Die Polizeigewerkschaft
fordert mehr Ermittler, die CDU härtere Richter.

Von Reinhard Kowalewsky

Konstant viele Straftaten, aber immer weniger abgeurteilte
Straftäter: Auf diesen Nenner lässt sich der Vergleich der bereits
bekannten polizeilichen Kriminalstatistik NRW (2005 bis 2014) und die
Zehnjahresstatistik über Aburteilungen (2004 bis 2014) in NRW bringen.
Letztere wird am Mittwoch im Justizausschuss des Landtages vorgestellt,
wobei mit Aburteilung die Beendigung eines Verfahrens durch
Verurteilung, Freispruch oder Einstellung durch ein ordentliches Gericht
gemeint ist.

Beide Dokumentationen zeigen zudem, dass die Zahl ausländischer
Straftäter deutlich steigt - gleichzeitig aber auch deren
Aburteilungsrate. Darüberhinaus gibt es den positiven und vielleicht
auch überraschenden Trend, dass die Gewalt von Jugendlichen eher
abnimmt. "Es wird seltener zugeschlagen", sagt dazu Arnold Plickert,
Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GDP), "aber die wirklich
schlimmen Gewalttaten nehmen erschreckend zu."

Gesamttrend Im Jahr 2014 wurden in NRW mit
206.000 Entscheidungen ein Siebtel weniger Straftäter verurteilt als
noch im Jahr 2004, obwohl die Zahl aller Straftaten mit 1,501 Millionen
(in 2014) in der gleichen Zeit nur um knapp ein Prozent sank. Dabei
liegt die gesunkene Zahl an Aburteilungen nicht daran, dass Straftaten
seltener aufgeklärt werden - die Aufklärungsquote der Polizei stieg
sogar in zehn Jahren von 47,9 Prozent auf 49,8 Prozent - aber es gibt
eben häufiger Einstellungen von Verfahren gegen Bußgeldbescheide oder
wegen scheinbarer Geringfügigkeit der Tat oder weil es am Ende doch
nicht für eine Anklage reicht. "Verfahren werden zu oft eingestellt",
meint dazu der CDU-Landtagsabgeordnete Peter Biesenbach. "Polizei und
Staatsanwaltschaft müssen besser für ihre Ermittlungen ausgestattet
werden."

Freiheitsstrafen Die Zahl der verhängten
Freiheitsstrafen sank um 22 Prozent auf rund 24.000 im Jahr 2014. Dazu
werden überwiegend Erwachsene verdonnert, der Anteil der Heranwachsenden
liegt bei nur etwa fünf Prozent.

Ausländerquote Der Anteil ausländischer
Abgeurteilter an der Gesamtzahl der Abgeurteilten stieg um 5,5
Prozentpunkte von 22 Prozent auf 27,5 Prozent, während ihr Anteil an den
Tatverdächtigen von 23,3 Prozent im Jahr 2005 auf 29 Prozent im Jahr
2014 schnellte. Dies bedeutet, dass aus dem Ausland kommende Bürger
dreimal häufiger straffällig und abgeurteilt werden als der Schnitt der
Bevölkerung.

Mord/Totschlag Die Zahl der von der Polizei
gemeldeten Fälle von Mord und Totschlag in NRW sank von 362 im Jahr 2005
ganz leicht auf 355 im Jahr 2014. Demgegenüber steht ein Rückgang der
Verurteilungen von 328 auf nur noch 196.

Vergewaltigung Während die Polizei für 2014 mit
1814 Vergewaltigungen und Fällen schwerer Nötigung eine leichte Zunahme
gegenüber 2005 meldet, ging die Zahl der Aburteilungen vor den Gerichten
um rund ein Fünftel auf 1464 zurück. Justizkenner führen dies auch
darauf zurück, dass Frauen manchmal die Belastung eines
Gerichtsverfahrens als Zeugin vermeiden wollen - die rot-grüne
Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, stärker gegen sexuelle Gewalt
vorzugehen.

 

 

Einbrüche in NRW 2014 – Daten und Fakten

FOTO: Ferl

Wohungseinbrüche Wie zurückhaltend der
Staatsapparat teilweise gegen Straftäter vorgeht, zeigt sich wohl bei
keinem Delikt deutlicher als bei Einbrüchen: Die Zahl der Abgeurteilten
stieg seit 2004 von 645 im Jahr auf 835 im Jahr im ganzen Bundesland.
Dies kontrastiert damit, dass in 2005 etwas weniger als 39.000 Einbrüche
und 2014 fast 53.000 Einbrüche von der Polizei aufgenommen wurden - nur
jeder 70. Straftäter wird also vor Gericht zur Rechenschaft gezogen.
"Da müsste man viel konsequenter durchgreifen", sagt
Polizeigewerkschafter Plickert, "gerade gegen ausländische Banden ist
das nötig."

Gewaltdelikte Die Zahl der wegen Gewaltverbrechen
abgeurteilten Menschen sank bis 2014 um rund ein Drittel auf 6200. Hier
zeigt die Statistik der Polizei zumindest einen ähnlichen Trend: In
2005 erfasste sie 35.000 Fälle von gefährlicher und schwerer
Körperletzung, in 2014 wurden nur noch etwas mehr als 30.000 derartige
Verbrechen von der Polizei erfasst - ein Rückgang von einem Siebtel.

Schwarzfahren Wegen Erschleichen von Leistungen wurden 2014 rund 18.000 Menschen abgeurteilt, 37 Prozent mehr als zehn Jahre davor.

Die fiesen Tricks der Diebe an der Haustür

FOTO: RP

Betrug/Untreue Hier ist die Zahl der
Entscheidungen der Gerichte um zwölf Prozent auf 42.000 im Jahr 2014
gestiegen. Das ist rund ein Sechstel der Delikte.

Quelle: RP

http://www.rp-online.de/nrw/panorama/kriminalstatistik-nrw-weniger-straf...