Die vom Worringer Platz vertriebene Drogenszene ist vor der Zentralbücherei anzutreffen

 

Anwohner am Immermannhof in Sorge
Die vom Worringer Platz vertriebene Drogenszene ist vor der Zentralbücherei anzutreffen. Auch am Hauptbahnhof zeigen sich Folgen. Der neue Treffpunkt am Immermannhof besorgt die Anlieger.
Von Verena Kensbock und Uwe-Jens Ruhnau

Stadtmitte Handwerker haben am Montag am Immermannhof zwei große Container für die Nutzung durch die Drogen- und Obdachlosenszene aufgestellt. Davor stehen auf dem Platz Betonklötze, die sonst für die Terrorabwehr eingesetzt werden, dahinter sechs transportable Toiletten. Der neue Anlaufpunkt soll die Situation verbessern, die sich nach den Abrissarbeiten am Worringer Platz aufgetan hat. Die Stadt will der Szene langfristig eine Fläche hinter dem Drogenhilfezentrum an der Erkrather Straße als Aufenthaltsfläche anbieten.

Für die Anlieger des Immermannhofs zeichnet sich eine besondere Belastung ab. „Wenn die Container länger bleiben, muss ich schließen“, sagt Halid Nuha vom Reisebüro Dituria. Er sei seit 30 Jahren vor Ort, es sei schwer, in dieser Lage für Kunden attraktiv zu sein. Die Drogenszene sei ja ohnehin rund um den Hauptbahnhof verbreitet und auch am Immermannhof präsent. „Wieso setzt man sie uns nun noch mal extra vor die Tür?“, fragt Nuha. Carola Steinkamp, die in demselben Gebäude arbeitet, spricht von einer Fehlentscheidung: „Der Platz verkommt immer mehr. Hier gibt es auch so schon Drogenhandel, und man wird immer wieder angebettelt.“

Die Entscheidung, den Immermannhof einzubinden, habe damit zu tun, dass man die Drogenszene nach Züricher Vorbild ständig in Bewegung halten wolle, sagt Miriam Koch, Dezernentin für Kultur und Integration. Ihre räumliche Verfestigung an einzelnen Orten solle vermieden werden. Stattdessen setze man auf Beweglichkeit durch gezielte Entzerrung, kombiniert mit einem klaren ordnungspolitischen Ansatz. Die Maßgabe laute: Null Toleranz gegenüber offenem Drogenkonsum und unzumutbarem Verhalten im öffentlichen Raum, sofern entsprechende Hilfsangebote in Einrichtungen verfügbar seien.

Nun stehen die Container für die Drogenabhängigen aber genau da, wo man sie einst loswerden wollte: Vor fast zehn Jahren wurde nämlich der Immermannhof nach einer rund 400.000 Euro teuren Sanierung neu eröffnet – ohne Bänke, ohne größeren Sonnenschutz. Der Platz, der zuvor als Treffpunkt vieler Obdachloser bekannt war, wurde „plattgemacht“, wie Streetworker den Umbau werteten.

Auch in den vergangenen Jahren nannten Sozialarbeiter den Immermanhof immer wieder als Beispiel für die Verdrängung und den schwindenden Platz für Menschen auf der Straße. Die Folge der Neugestaltung: Die Szene wanderte zum Worringer Platz, wo sich die Situation zuletzt derart zugespitzt hatte, dass die Stadt die Bänke dort abreißen ließ. Die Menschen zogen also weiter und nun dient ausgerechnet der Immermannhof wieder als Aufenthaltsfläche.

Zwei andere Flächen sind zwar schon in Planung, lassen aber noch auf sich warten. Die Erste wird im Innenhof der Drogenhilfe hergerichtet. Dies kann bis Oktober oder November dauern, und Miriam Koch kann noch nicht versprechen, dass dann auch die Eröffnung stattfindet.

Bis dahin dient der Immermannhof als Zwischenlösung – mit unschönen Folgen für die Anlieger. Nuhas Vermieter sagt, er sei vorab nicht über die Container informiert worden. Die Zusage für den Aufbau eines Krans für eine Dachreparatur habe das zuständige Amt zurückgezogen. Auch Mitglieder der Familie Ünalan, die an der Friedrich-Ebert-Straße einen Kiosk, ein Shawarma-Restaurant und einen Podolski-Dönerladen betreiben, berichten von Problemen. Letzteren führt Kemal Ünalan. Er sagt, die Situation sei schlimmer geworden. Täglich gebe es Drogenhandel vor der Tür, immer wieder werde Streit in das Lokal hineingetragen. „Letzte Woche sind hier Bierflaschen hineingeflogen.“

Gökturu Ünalan betreibt mit seiner Frau den benachbarten Kiosk. Seine Schwägerin Fatma Caglar steht auch um Mitternacht noch im Laden. Täglich gebe es Bedrohungen von Mitgliedern der Drogenszene, es werde viel gestohlen. Sie lobt, dass die Polizei jetzt die Zahl ihrer Einsätze massiv erhöht habe.

Auch der Platz vor der Zentralbücherei am Kap 1 ist stark belastet. Schon im Mai hatte unsere Redaktion berichtet, dass dort ein neuer Brennpunkt entstanden ist. Auch am Sonntagnachmittag war der Platz vermüllt. An den Fahrradständern verrotten fünf Räder, die bereits ausgeweidet sind. Da fehlen Vorder- oder Hinterräder, ein Sattel, manches ist verbogen. Daneben sammelt sich der Müll – denn wo Dreck ist, ist schnell noch mehr Dreck.

Die Stadt hatte im Mai angekündigt, die Reinigungshäufigkeit kurzfristig zu erhöhen und fortlaufend zu prüfen. Zwei Mal am Tag werde mittlerweile gereinigt, die Kontrolle defekter Räder und ihre etwaige Entsorgung erfolge wieder an diesem Dienstag, heißt es von der Stadt. Der Platz macht jedoch nicht den Eindruck, als werde er in Ordnung gehalten. Miriam Koch, Dezernentin für Kultur und Integration, sagt im Gespräch mit unserer Redaktion, das Ergebnis der Bemühungen reiche vielleicht noch nicht aus, man werde die Beteiligten noch einmal besser koordinieren.

Zusätzlich werde der Worringer Platz täglich gereinigt, Streetwork sowie Ordnungsdienst seien regelmäßig präsent, montags bis freitags gibt es auch hier zu unterschiedlichen Zeiten das Format „Friendly Visiting“ – unter der Beteiligung der Ämter für Ordnung, Gesundheit sowie Migration und Integration. Hintergrund: Auch zum Worringer Platz sind die Suchtkranken zurückgekehrt, dort liegen auch wieder Spritzen herum.
RP

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