Kriminalität in NRW sinkt leicht

 

Kriminalität in NRW sinkt leicht

Nach Jahren des
Anstiegs wieder weniger erfasste Straftaten – aber deutlich mehr
Einbrüche

Düsseldorf Die Kriminalität in Nordrhein-Westfalen ist wieder
leicht rückläufig. Nach einem Anstieg der Fallzahlen in den beiden
Vorjahren verzeichnete die Polizei 2024 erstmals wieder weniger
Delikte. So wurden knapp 1,4 Millionen Straftaten (1.398.652)
erfasst, das waren 14.155 Fälle weniger als im Vorjahr (- 1,0 %).

„Damit ist der steile Anstieg der Nach-Corona-Jahre erfolgreich
ausgebremst. Trotz Europameisterschaft und trotz neuer
Herausforderungen an allen Ecken und Enden“, sagte
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) bei der Präsentation der
Jahresstatistik am Mittwoch in Düsseldorf. Die Zahlen seien
gleichwohl „kein Grund, Konfetti zu schmeißen“.

Insgesamt konnten 53,5 Prozent aller Fälle (747.780) aufgeklärt
werden. Damit lag die Aufklärungsquote nur geringfügig unter dem
besten Wert seit über 60 Jahren, der 2023 (54,2 %) erzielt wurde.
Die Zahl der registrierten Tatverdächtigen lag bei 493.389, das
waren 10.604 weniger als im Jahr zuvor (- 2,1 %). Der Anteil
nichtdeutscher Tatverdächtiger lag nach Angaben des Innenministers
bei 38 Prozent. Rückläufig waren die Fallzahlen vor allem in den
Bereichen Diebstahl (- 1,3 %), Raub (- 7,3 %) und Waren- und
Warenkreditbetrug (- 6,4 %). Dagegen verzeichnete die Polizei
spürbare Zuwächse bei Einbruch (+ 5,2 %), Körperverletzung (+ 1,7
%) und Cyber-Kriminalität (+ 7,8 %).

Besorgt zeigte sich Innenminister Reul über das weiterhin hohe
Plateau bei der Gewaltkriminalität. Hier sind die Zahlen (rund
55.600 Delikte) zwar um 0,4 Prozent gesunken, im Zehnjahresvergleich
ist jedoch ein Anstieg um 20 Prozent zu erkennen. „Das ist die
traurige Wasserstandsmeldung, wenn es darum geht, wie wir als
Gesellschaft miteinander umgehen. Unsere Polizisten bekämpfen leider
oft nur Symptome“, sagte Reul.

Unsere Polizisten bekämpfen leider oft
nur
Symptome.

Herbert Reul (CDU), NRW-Innenminister

Unter der Rubrik „Gewaltkriminalität“ werden unter anderem
Mord, Totschlag, Raub, gefährliche und schwere Körperverletzung
sowie vereinzelte Sexualstraftaten erfasst. Drei von vier Fällen
konnten aufgeklärt werden (41.752). Auffällig: Bei einem
nichtdeutschen Bevölkerungsanteil von nur 16,1 Prozent sind in
diesem Deliktbereich 34,3 Prozent der Opfer und 41,8 Prozent der
Tatverdächtigen ausländischer Herkunft.

Ein wachsendes Problem ist in diesem Zusammenhang die
Messergewalt: Erneut verzeichnete die Polizei einen kräftigen
Anstieg von Fällen, in denen ein Messer eingesetzt oder damit
gedroht wurde. Mit 7295 Fällen stand sogar ein Plus um über 20
Prozent zu Buche.

„Die Kriminalitätsrate mag leicht sinken, aber der Preis ist
hoch: mehr Morde, mehr häusliche Gewalt und mehr gefährliche
Körperverletzungen bei Kindern und Jugendlichen – das ist keine
Erfolgsgeschichte“, kritisierte FDP-Innenexperte Marc Lürbke.

SPD-Innenpolitikerin Christina Kampmann nannte den Anstieg bei
Wohnungseinbrüchen „eine zunehmende Bedrohung für die Sicherheit
von Mietern und Eigentümern“. nrz 13.3.25

 

 

Die Brutalität bei
Straftaten nimmt zu

Die Düsseldorfer
Polizei stellte die Kriminalstatistik für das Jahr 2024 vor

Die Düsseldorfer Polizei konnte im vergangenen Jahr einen
leichten Rückgang der Straftaten in der Landeshauptstadt
feststellen. Das ist eines der Ergebnisse der aktuellen
Kriminalstatistik
für das Jahr 2024, die jetzt von
Polizeipräsidentin Miriam Brauns und der Leiterin der
Kriminaldirektion Anette Henning vorgestellt wurde. Hier sind die
sieben wichtigsten Erkenntnisse über die Kriminalitätsentwicklung
in der Landeshauptstadt zusammengefasst.

1. Weniger Straftaten, steigende Brutalität

Zum ersten Mal seit 2021 stellt die Düsseldorfer Polizei im Jahr
2024 wieder einen Rückgang der Straftaten fest. Nachdem sie im Jahr
2021 auf einen vorläufigen Tiefstand mit rund 57.200 Straftaten im
Jahr gefallen waren, stieg die Gesamtkriminalität in den Folgejahren
wieder an. So wurden 2023 mehr als 79.200 Straftaten registriert. Im
vergangenen Jahr waren es rund 76.900 – ein Rückgang von etwas
mehr als drei Prozent.

Gleichzeitig erklärte die Düsseldorfer Polizeipräsidentin
Miriam Brauns, dass die Brutalität bei den Taten zunehme. „Die
Gesellschaft verroht“, erklärte sie während der Präsentation der
Kriminalstatistik. „Wenn erstmal die Nase gebrochen ist, wird
weiter zugeschlagen und Täter hören auch nicht mehr auf, wenn sie
einmal angefangenen haben, auf den Kopf einzutreten.“ So hat die
Zahl der gemessenen schweren und gefährlichen Körperverletzung
einen neuen Höchstwert (1.916 Delikte) erreicht. In den vergangenen
zehn Jahren gab es hier einen Anstieg von fast 30 Prozent.

2. Weniger Hemmungen beim Einsatz von Messern

Im Zeitraum zwischen 2020 und 2024 stieg die Zahl der
Raubüberfälle, bei denen ein Messer als Tatwaffe registriert wurde,
stark an. So gab es im vergangenen Jahr 455 derartiger Taten, 2020
waren es noch 257. Messer sind jedoch nicht nur bei Raubüberfällen
Tatwaffe, sondern können bei verschiedenen Straftaten zum Einsatz
kommen. Daher betont die Polizeipräsidentin: „Als 16- oder
25-jähriger Mann brauchst du kein Messer, wenn du in der Innenstadt
oder Altstadt unterwegs bist.“ Denn selten würden Messer mit der
direkten Absicht mitgeführt, mit ihnen eine Straftat zu begehen. Das
Messer würde, so die Leiterin der Kriminaldirektion Anette Henning,
oft erst in der laufenden Auseinandersetzung gezogen.

Tatsächlich seien es auch nur zu einem Viertel Messer, die unter
das Waffengesetz fielen, die bei Straftaten genutzt werden würden,
so Henning. „Das Messer ist die neue Faust“, beschreibt es die
Polizei in der Kriminalstatistik.

Zu drei Vierteln seien es kleine legale oder sogar Küchenmesser,
die von den Menschen in der Hosentasche getragen würden. Dass diese
dennoch auch in der Waffenverbotszone in der Altstadt nicht
mitgeführt werden dürften, würde aber in der Wahrnehmung der
Polizei nicht jeden davon abhalten, dies trotzdem zu tun.

3. Straftaten konzentrieren sich im Zentrum

Mit Blick auf die Verteilung der Straftaten über das Stadtgebiet
fällt auf, das es einen deutlichen Ballungsraum im Zentrum der
Landeshauptstadt gibt. So fanden in den acht Stadtteilen, für welche
die sogenannte Polizeiinspektion Mitte zuständig ist, mehr als ein
Drittel aller gemessenen Straftaten statt. Bei diesen Stadtvierteln
handelt es sich um die Stadtmitte, Carlstadt, die Altstadt, Oberbilk
sowie die vier linksrheinischen Stadtteile Heerdt, Ober- und
Niederkassel sowie Lörick.

Auffällig ist dies dadurch, da das von der Polizeiinspektion
Mitte abgedeckte Gebiet flächenmäßig um einiges kleiner ist, als
das der beiden anderen Düsseldorfer Inspektionen im Norden und
Süden.

Die Gesellschaft verroht.

Polizeipräsidentin Miriam Brauns bei der
Präsentation der Kriminalstatistik

Allerdings lebten hier, so eine der Erklärungen für die Ballung
der Straftaten, nicht nur sehr viele Düsseldorfer, auch zöge es
viele Besucher hierhin – etwa in die Altstadt, die von
Polizeipräsidentin Brauns als Hotspot für „Rohheitsdelikte“,
bezeichnet wurde. Tatsächlich würde auch Gewalt gegen Beamte nicht
selten von Feiernden ausgehen, so Brauns.

4. Weniger Drogendelikte, mehr harte Drogen

Eine positive Entwicklung ist in jedem Fall der Rückgang von
Delikten im Bereich des Drogenhandels. So sanken die Zahlen hier
nahezu kontinuierlich in den vergangenen zehn Jahren, sodass 2024 mit
205 Delikten ein vorläufiger Tiefststand erreicht wurde. Dennoch
stieg bei bestimmten Drogenarten die Zahl der Delikte wegen
unerlaubten Handels an. Zu diesen gehören Heroin, Methamphetamine
sowie Amphetamine und Kokain beziehungsweise Crack.

5. Anstieg bei der häuslichen Gewalt

Nachdem die Zahl von Straftaten gegen die sexuelle
Selbstbestimmung nach einem vorläufigen Höchststand im Jahr 2022
(1.257 Delikte) im vergangenen Jahr wieder leicht gesunken ist (1.185
Delikte), zeichnet sich ein relativ deutlicher und
besorgniserregender Trend ab. So stiegen in diesem Bereich die
Straftaten unter Gewaltanwendung oder Ausnutzung eines
Abhängigkeitsverhältnisses auf einen neuen Höchststand mit
insgesamt 577 Delikten – also beinahe der Hälfte der
Gesamtstraftaten in diesem Bereich.

Ebenfalls ansteigend sind die in der Kriminalstatistik
aufgeführten Delikte im Bereich der häuslichen Gewalt. Wie Anette
Henning bei der Vorstellung dieser Zahlen betonte, handele es sich um
eine Vielzahl von Delikten, die Formen körperlicher, sexueller oder
psychischer Gewalt umfassen. Diese würden „nicht immer vom Mann“
ausgehen, so Henning und können beispielsweise auch Stalking oder
Bedrohungen umfassen. Dennoch bewege man sich hier bei den Zahlen wie
schon in den vergangenen Jahren in einem sehr hohen Bereich. Im Jahr
2024 wurden hier in Düsseldorf 1.884 Taten registriert. Und auch
wenn die Polizei hier eine Aufklärungsquote von mehr als 99 Prozent
angibt, existiert natürlich eine Dunkelziffer.

6. Wohnungseinbrüche bleiben konstant

Nachdem in den vergangenen Jahren die Zahl der
Wohnungseinbruchs-Delikte stark anstieg, blieb der große Sprung von
2023 auf 2024 aus. So gab es im vergangenen Jahr nur 44 Delikte mehr
als im Vorjahr, außerdem stieg der Anteil der versuchten
Wohnungseinbrüche an. Gerade in diesem Bereich lohnt sich auch der
Blick in die vergangenen zehn Jahre. 2015 waren es noch mehr als
doppelt so viele Wohnungseinbruchsdiebstähle in der
Landeshauptstadt.

Was jedoch auffällt, ist die sinkende Aufklärungsquote. Diese
betrug im vergangenen Jahr nur noch 7,1 Prozent. 2019 waren es noch
12,5 Prozent.

7. Sorge über kriminelle Kinder und Jugendliche

Was die Polizei Düsseldorf daneben noch besorgt, sind die hohen
Zahlen bei Straftaten, die von Kindern unter 14 Jahren, Jugendlichen
im Alter von 14 bis 18 Jahren und Heranwachsenden zwischen 18 und 21
Jahren verübt wurden. Zwar liegen die Zahlen auch hier meist etwas
niedriger als im Vorjahr. „Wenn wir die Zahlen aber mit den
Anteilen an der Gesamtbevölkerung vergleichen, liegen diese deutlich
über dem Durchschnitt.“ So wurden im vergangenen Jahr 820
Straftaten von unter 14-Jährigen begangen, 2.718 von Jugendlichen
und mit 2.777 noch mal fast genauso viele von Heranwachsenden. In
Zukunft wolle man hier vermehrt überprüfen, wie man
Präventionsarbeit vor der Tat leisten könne und wie man nach Taten
mit dem Jugendamt kooperieren könne, erklärte Miriam Brauns.

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