„Bei einem Drittel ist das Methadon der Beikonsum“
Von Alexander Schulte 13.1.2015
Rund 1450 Menschen erhalten jeden Tag Methadon, die meisten in sieben Arztpraxen. Das System ist umstritten.
Düsseldorf. In
Düsseldorf bekommen derzeit etwa 1450 Menschen täglich den
vollsynthetisch hergestellten Heroin-Ersatzstoff Methadon. Nur gut zehn
Prozent von ihnen werden vom Gesundheitsamt versorgt, der Rest bekommt
das Methadon in flüssiger Form in einer von sieben Arztpraxen.
An diesem System gibt es immer
wieder Kritik. Streetworker etwa meinen, dass oft nicht genug versucht
werde, die Abhängigen ganz von Drogen loszubekommen. Zudem sei manche
Praxis eher eine „Tankstelle“ ohne echte Betreuung, bei der die
„Junkies“ im Fließbandbetrieb abgefertigt würden. Auch Jochen Alxnat,
Chef des Drogenhilfevereins sieht – ohne dass er dafür den Ärzten die
Schuld gibt – dieses Grundproblem: „Viele Betroffene werden mit dem
Methadon allein gelassen, es gibt darüber hinaus keine echten
Hilfsangebote für sie.“
Unstrittig ist, dass viele
Substituierte „Beikonsum“ haben, heißt: nebenher Drogen nehmen und/oder
Alkohol konsumieren. Alxnat schätzt, dass ein Drittel damit gut lebt,
ein Drittel hat mal mehr, mal weniger Beikonsum. Und beim letzten
Drittel ist praktisch das Methadon der Beikonsum.
Das soll
regelmäßig überprüft werden durch Urin-Kontrollen, doch es gibt den
Verdacht, Ärzte nähmen es damit nicht so genau, um nicht viele Patienten
zu verlieren. Bernhard Hoff ist Hausarzt und behandelt mit zwei
Kollegen an der Charlottenstraße seit Jahren Drogenabhängige, derzeit
sind es mehr als 100. Er weist solche Verdächtigungen zurück: „Wir
machen die Substitutionsbehandlung streng nach Vorschrift.“
Die Methadonvergabe müsse aus
organisatorischen Gründen morgens vorgezogen werden, „eine weitere
Betreuung findet dann oft später am Tag in der Praxis statt“, sagt er.
Allerdings stellt er auch klar, dass etwa die Stadt gut reden habe, die
ihre Leistungen aus Steuermitteln schöpfe: „Wir finanzieren alles auf
Basis von Kassenhonoraren. Und die Kassen zwingen uns, nur das
Notwendigste zu tun.“ Psychosoziale Hilfe etwa sei keine ärztliche
Leistung, dafür gebe es ja eine Reihe von Stellen – dennoch beschäftige
er auch eine Sozialarbeiterin.
Während Alxnat für
eine Diamorphin-Vergabestelle ist, wenn das der geeignetere „Stoff“
ohne Beikonsum sei, ist Hoff skeptisch: „Ich sehe nicht den Bedarf, der
den riesigen Aufwand rechtfertigen würde. Das liegt schon daran, dass
immer weniger Heroinsüchtige den Stoff spritzen, wie es in den
Vergabestellen vorgesehen ist.“
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