Warnung vor "medizinischer Katastrophe" in Duisburg-Marxloh

 

Warnung vor "medizinischer Katastrophe" in Duisburg-Marxloh

20.07.2015 | 06:36 Uhr

Warnung vor "medizinischer Katastrophe" in Duisburg-Marxloh

Rodika Domirten, eine Krankenschwester aus Bulgarien, kümmert sich
ehrenamtlich um Menschen die zur Sprechstunde kommen.Foto: Foto: Jakob
Studnar / FUNKE Foto Services

Duisburg. Sprechstunde für Menschen ohne Krankenversicherung:
Klienten sind vor allem Zuwanderer. "Wir haben unsere Belastungsgrenze
überschritten."

In einem Brandbrief an den Leiter des Duisburger Gesundheitsamtes
warnt Pater Oliver, der im Stadtteil Marxloh eine kostenlose
Gesundheitssprechstunde für Menschen ohne Krankenversicherung
eingerichtet hat, vor „einer menschlichen und medizinischen
Katastrophe“.

Jeden Donnerstag bietet das ehrenamtliche Team aus Ärzten,
Krankenschwestern, Übersetzern und Helfern um den Pater an der Kirche
St. Peter die Sprechstunde an . Klienten sind vor allem Zuwanderer aus
Rumänien und Bulgarien ohne gültige Krankenversicherung und „Menschen
ohne Papiere“ – es soll 10 000 von ihnen in Duisburg geben. Vergangene
Woche hätten gar mehr als 80 Bedürftige medizinische Hilfe gesucht, so
der Pater: Schon in den Vorwochen waren es rund 70 Menschen.

Zuwanderung

Die Kranken von Marxloh - Ärzte für Menschen ohne Schutz

Die Kranken von Marxloh - Ärzte für Menschen ohne Schutz

Rund 10.000 Menschen in Duisburg sind ohne Krankenversicherung.
Pater Oliver und sein Team versuchen, zu helfen. Sie werden überrannt.

„Da sich immer mehr auch schwerer erkrankte Menschen hier vorstellen
... wird die Behandlung immer komplexer und schwieriger.“ So versuche
das Team gerade, für ein offensichtlich herzkrankes kleines Kind weitere
Hilfe zu bekommen.

„Wir können diesem Ansturm nicht mehr sinnvoll begegnen“

Nach diesem kräftezehrenden Tag, an dem drei Ärzte, fünf
Pflegekräfte, drei Dolmetscher und neun ehrenamtliche Helfer über viele
Stunden bis in den späten Abend hinein im Einsatz waren, verfasste Pater
Oliver seinen Brandbrief an Gesundheitsamtsleiter Dr. Dieter Weber.
Inzwischen kreist das Schreiben aber auch bei allen im Rat vertretenen
Parteien.

„Wir haben unsere Belastungsgrenze nicht nur erreicht“, so Pater
Oliver, „sie ist überschritten“. Medizinische Mindeststandards seien
unter diesen Bedingungen kaum aufrecht zu halten: „Die Situation wird
immer dramatischer, und wir können diesem Ansturm nicht mehr sinnvoll
begegnen. Es muss eine kurzfristige Lösung gefunden werden, die aus
meiner Sicht nur an einem Krankenhaus angedockt werden kann.“

Thomas Richter

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